Schottisches Projekt: Guitar Hero im Unterricht

Der Platz für Studien, Projekte, (wissenschaftliche) Aufsätze und vielleicht irgendwann auch Bücher rund um Plastic Rock. Tummelzone für unsere Vertreter der Game Studies.

Schottisches Projekt: Guitar Hero im Unterricht

Beitragvon wortkomplex » 16. Januar 2010, 0:32

Wovon Schüler hierzulande nur träumen können? In Schottland ist die öffentliche Körperschaft Learning and Teaching Scotland (LTS) für die Entwicklung des Curriculums zuständig; dazu gehört auch der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie (engl. Information and Communication Technologies, ICT) im Unterricht. Neben den klassischen E-Learning-Feldern, hat das LTS auch Pilotprojekte zum Einsatz von Computerspielen im Unterricht gestartet, darunter auch Guitar Hero.

Der Ansatz: In der Stufe P7 (entspricht einem Alter der Schülern zwischen 10 und 12 Jahren) wurde eine zum Experimentieren bereite Lehrerin für einige Wochen mit entsprechender Hard- und Software ausgestattet. Heraus gefunden werden sollte, ob und wie Schüler von dem Spiel motiviert werden und wie es fächerübergreifendes (bzw. thematisches) Lernen ermöglicht. Dabei diente Guitar Hero quasi als Aufhänger für eine Rahmenstory, in die verschiedene Lehrinhalte eingebettet werden sollten. Eingeflossen sind dabei Sprache (biografisches Schreiben, verstehen und verfassen von Werbung), Musik (eigene Band, Songschreiben), Kunst (Design, Getstaltung) und künstlerisches Gestalten (Poster, CD-Cover, T-Shirts), Physik (Akustik – Experimente zum Thema Klang).

Als Fazit hat sich in erster Linie ergeben, dass die Kinder das in einen Kontext eingebettete Lernen mochten und sich mehr engagiert haben. Das Lernen entlang einer Rahmenhandlung hat sie motiviert, ebenso wie ihre Begeisterung für das Spiel selbst. Außerdem hätten sich Atmosphäre und Zusammenhalt in der Klasse sehr verändert.

Weiteres Fazit: Die Behörden finden den Ansatz innovativ, Kids sind (Überraschung) begeistert.

Das Projekt ist sehr hübsch online dokumentiert (viele Videos, in denen auch die Schüler befragt werden) – Klick hier. Ein Blick lohnt sich allemal, ich fand den Ansatz sehr interessant (vor allem, weil ich mich noch an sterbenslangweilige Projektwochen in meiner Schulzeit erinnere).
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Re: Schottisches Projekt: Guitar Hero im Unterricht

Beitragvon MSFett » 16. Januar 2010, 14:17

und man darf natürlich nicht vergessen, dass sowas natürlich für activision ne top werbung ist!

trotzdem gute idee, aber ich denke das wird sich wohl nicht in der masse durchsetzen und eher bei einem experiment bleiben.
an deutschen schulen fehlt sowieso das geld für das equipment anzuschaffen ...
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Re: Schottisches Projekt: Guitar Hero im Unterricht

Beitragvon Silencer » 17. Januar 2010, 1:31

In der Tat sind PlasticRock-Games zwar nicht in Schulen, aber in therapeutischen Einrichtungen recht verbreitet. Dort wird Hand-Auge-Koordination vermittelt, was im Zusammenspiel mit akustischem Input einfacher ist als z.B. Rumgeklickere mit der Maus.
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Re: Schottisches Projekt: Guitar Hero im Unterricht

Beitragvon wortkomplex » 19. Januar 2010, 13:37

MSFett hat geschrieben:und man darf natürlich nicht vergessen, dass sowas natürlich für activision ne top werbung ist!

trotzdem gute idee, aber ich denke das wird sich wohl nicht in der masse durchsetzen und eher bei einem experiment bleiben.
an deutschen schulen fehlt sowieso das geld für das equipment anzuschaffen ...


Werbung sehe ich da ausnahmsweise mal nicht. Das Projekt wurde - vermutlich aus gutem Grund, es hätte auch völlig schief gehen können - nicht gesponsert. Das jetzt ein positives Ergebnis heraus gekommen ist, mag ein hübscher Effekt sein. Aber a) ist es außerhalb Schottlands so gut wie gar nicht bekannt, b) war einer der Ansätze, die Popularität, die das Spiel per se schon hat, als eine der Motivationsquellen auszunutzen.

Für deutsche Schulen eignet sich das Konzept auch deswegen nicht, weil es völlig andere Schulsysteme mit einem je ganz eigenen Curriculum sind. Die breite Geräteanschaffung bzw. die Unmöglichkeit dazu steht auch völlig außer Frage.

Aber was ich mich dann frage ist, warum eigentlich? Das Ergebnis, dass Schüler besser in einem größeren Kontext lernen, ist nun wahrlich nichts Neues. Computerspiele dazu ranzuziehen ist eine gute Idee - immerhin bestimmen sie bei vielen die Freizeit und eignen sich zur Motivation. Der Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen würde das vielleicht auch einen guten Impuls geben.
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